Ein typisches Missverständnis im Golftraining
Viele Golfer glauben, Training bedeute Wiederholung.
Sie schlagen dieselbe Distanz.
Vom selben Lie.
Mit derselben Technik.
Das funktioniert gut für den Aufbau einer Bewegung. Der Golfplatz funktioniert jedoch anders.
Jeder Ball liegt leicht anders.
Jede Distanz verändert sich.
Jede Situation stellt neue Anforderungen.
Wer nur Wiederholung trainiert, trainiert deshalb nur einen kleinen Teil des Spiels.
Diese Übung begann als Warm-up

Das Foto entstand während eines Warm-ups auf unserer Driving Range in Capdepera Golf in einem unserer Golfkurse für fortgeschrittene Golfer. Dabei ging es nicht einfach darum, ein paar Bälle zu schlagen. Das Ziel war es zum einen, den Lern- und Koordinationsmotor zu aktivieren. Gleichzeitig nutzten wir die Übung, um typische Golfplatz-Lagen ins Training zu integrieren.
Bevor Feinmechanik entstehen kann, muss das Bewegungssystem bereit sein, Informationen aufzunehmen und Anpassungen vorzunehmen.
Deshalb beginnen wir viele Einheiten mit einfachen Aufgaben, die Bewegung, Wahrnehmung und Distanzgefühl miteinander verbinden.
Schritt 1: Technik stabilisieren

Zu Beginn wurden Distanzmarker auf 10, 20 und 30 Meter ausgelegt. Zunächst wurde jede Distanz mehrfach wiederholt. Dabei kontrollierten wir, ob die Distanz hauptsächlich durch Schwunglänge und Beschleunigung gesteuert wird.
Die Aufgabe war einfach:
gleiche Lage, gleiche Distanz, gleiche Aufgabe.
Hier geht es um Stabilität.
Im Golf Learning System nennen wir diese Phase den Aufbau einer funktionalen Lösung.
Schritt 2: Variabilität hinzufügen
Nachdem die Grundbewegung stabil war, wechselten die Distanzen.
10 Meter.
20 Meter.
30 Meter.
Immer wieder in unterschiedlicher Reihenfolge. Jetzt musste die Golferin lernen, die Bewegung an wechselnde Anforderungen anzupassen.
Die Technik blieb ähnlich.
Die Aufgabe änderte sich ständig.
Genau hier beginnt Practice Lab Training. Denn Stabilität entsteht nicht nur durch Wiederholung. Stabilität entsteht durch erfolgreiche Anpassung.
Schritt 3: Der Golfplatz kommt ins Training

Unsere tollen Greenkeeper haben für uns auf verschiedenen Bereichen der Driving Range bewusst Semirough-Situationen geschaffen. Dadurch können wir reale Spielsituationen direkt ins Training integrieren.
Nun kam eine weitere Variable hinzu:
nicht nur unterschiedliche Distanzen, sondern auch unterschiedliche Balllagen.
Ein Ball lag sauber. Der nächste leicht verdeckt im Semirough. Der folgende wieder auf perfektem Gras. Plötzlich musste die Golferin Angriffswinkel, Schlägerinteraktion und Energieübertragung anpassen.
Die Technik blieb grundsätzlich dieselbe. Die Anwendung musste sich jedoch an die Situation anpassen.
Genau das passiert später auch auf dem Golfplatz.
Warum wir das Transfertraining nennen

Der Golfplatz stellt nie zweimal dieselbe Aufgabe.
Deshalb reicht es nicht aus, eine Technik nur unter perfekten Bedingungen zu trainieren.
Im Golf Learning System unterscheiden wir zwischen mehreren Entwicklungsstufen:
- Technik erzeugt Fähigkeiten.
- Practice Lab erzeugt Stabilität.
- Transfer erzeugt Spielbarkeit.
Erst wenn ein Spieler seine Technik unter wechselnden Bedingungen anwenden kann, beginnt echter Transfer.
Fazit
Das Ziel dieser Übung war mehrschichtig. Besseres Chippen und Pitchen, aber auch mehr Anpassungsfähigkeit.
Denn Golf wird nicht auf der Driving Range gespielt. Golf wird unter wechselnden Bedingungen gespielt.

Und genau deshalb versuchen wir im Training nicht nur gute Bewegungen aufzubauen, sondern auch die Fähigkeit, diese Bewegungen an reale Spielsituationen anzupassen.
Im täglichen Unterricht auf Capdepera Golf beobachten wir immer wieder, dass viele Golfer die idealen Lagen gut bewältigen. Die Realität auf dem Golfplatz besteht jedoch nicht nur aus perfekten Lies. Ein grosser Teil der Schläge wird aus Semirough, Hanglagen, Bunkern oder anderen unangenehmen Situationen gespielt.
Genau dort entstehen oft die Fehler, die am Ende Schläge kosten.
Deshalb integrieren wir diese Situationen bewusst ins Training. Unser Ziel ist nicht Perfektion unter idealen Bedingungen, sondern Spielbarkeit unter realen Bedingungen.
Denn ein Golfer wird nicht durch seine besten Schläge definiert. Entscheidend ist oft, wie gut er die schwierigen Situationen bewältigt.
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