Hier lernen Sie, warum „falsch machen“ viel mit gutem Lernen zu tun haben kann. Hier erfahren Sie, warum gutes Lernen im Golftraining nicht immer so aussieht, wie der spätere Schlag auf dem Platz aussehen soll.

Im Golftraining versuchen wir normalerweise, eine Bewegung einfacher und kontrollierbarer zu machen. Manchmal kann es aber sinnvoll sein, im Training bewusst genau das Gegenteil zu tun.
Eine solche Situation entstand bei einem kurzen Schlag rund ums Grün.
Unser eigentliches Ziel war eine relativ ruhige Bewegung mit wenig zusätzlicher Handgelenkaktivität. Je weniger unnötige Bewegung koordiniert werden muss, desto einfacher kann es werden, den Schläger wieder passend zum Boden zurückzubringen und den Treffpunkt stabil zu halten.
Der Golfer setzte die Handgelenke jedoch immer wieder stärker ein.
Anstatt diese Bewegung ausschließlich zu verhindern, haben wir sie für einige Schläge bewusst vergrößert.
Die schwierigere Aufgabe wird zur Trainingsübung

Der Golfer sollte die Handgelenke nun absichtlich sehr deutlich einsetzen.
Das klingt zunächst widersprüchlich. Schließlich wollten wir später eigentlich weniger davon sehen.
Doch genau darin lag die Aufgabe.
Durch das starke Einknicken verändert sich während der Bewegung die Beziehung zwischen Händen, Schläger und Boden deutlich stärker. Der Schläger wird funktional zunächst kürzer. Im weiteren Bewegungsverlauf muss diese Veränderung wieder so organisiert werden, dass der Schläger im Treffmoment trotzdem passend zum Boden zurückkehrt.
Der Golfer musste also eine schwierigere koordinative Aufgabe lösen als bei seiner normalen Standardbewegung.
Nicht die Bewegung ist das eigentliche Trainingsziel
Bei dieser Übung geht es deshalb nicht darum, dem Golfer beizubringen, künftig mit möglichst viel Handgelenk zu spielen.
Die überzeichnete Bewegung ist ein bewusst eingesetzter Stress-Test.
Kann der Golfer trotz einer deutlich größeren Veränderung den Treffpunkt kontrollieren? Kann er wahrnehmen, wann und wie sich der Schläger verändert? Und kann er eine Bewegung, die normalerweise eher unbewusst passiert, bewusst vergrößern und anschließend wieder reduzieren?
Genau hier entsteht ein wichtiger Teil des Lernprozesses.
Wer nur versucht, eine unerwünschte Bewegung „nicht zu machen“, entwickelt nicht automatisch Kontrolle über sie. Manchmal hilft es deshalb, beide Seiten einer Bewegung kennenzulernen.
Wir trainieren einmal mit sehr wenig Handgelenkbewegung und dann bewusst mit sehr viel.
Die Variante mit viel Handgelenk ist deutlich schwieriger. Sie verlangt, Beschleunigung, Krafteinsatz, Richtung der eingesetzten Kraft und Gesamttiming so zu organisieren, dass trotzdem ein brauchbarer Treffpunkt und ein funktionales Resultat entstehen.
Damit trainieren wir nicht die starke Handgelenkbewegung als Standardtechnik. Wir trainieren die Fähigkeit, Bewegung bewusst zu steuern.
Diese Fähigkeit wird der Golfer überall auf dem Golfplatz brauchen können.
Variation kann Kontrolle entwickeln

Im Practice Lab nutzen wir solche Variationen nicht, weil die schwierigere Bewegung später die Standardlösung werden soll.
Wir nutzen sie, damit der Golfer mehr über seine eigene Bewegung erfährt.
Eine bewusst übertriebene Variante verändert die Anforderungen an Timing, Treffpunkt und Koordination. Entscheidend ist dabei, dass die Aufgabe nicht einfach nur schwerer wird, sondern so gewählt ist, dass sie den Golfer fordert, ohne ihn zu überfordern.
Danach kehren wir wieder zur einfacheren Lösung zurück.
Oft versteht der Golfer diese nun besser, weil er nicht nur weiß, was er machen soll, sondern auch erlebt hat, wie sich die Bewegung verändert, wenn er bewusst das Gegenteil ausprobiert.
Gutes Lernen bedeutet nicht immer, nur das Richtige zu wiederholen

Golftraining besteht deshalb nicht ausschließlich daraus, eine möglichst perfekte Bewegung immer wieder zu kopieren.
Manchmal lernen wir gerade dadurch, dass wir eine Aufgabe verändern, übertreiben oder bewusst schwieriger machen.
Das Ziel bleibt dabei immer dasselbe: mehr Kontrolle für die Spielsituation zu entwickeln, die wir später auf dem Golfplatz tatsächlich brauchen.
Was die Forschung dazu sagt

Die Idee, eine Bewegung nicht ausschließlich in ihrer gewünschten Standardform zu trainieren, passt zu Erkenntnissen aus dem motorischen Lernen. Forschung zu variablem Training und zum sogenannten Challenge Point Framework zeigt, dass Lernen profitieren kann, wenn Aufgaben bewusst variiert oder vorübergehend schwieriger gemacht werden.
Entscheidend ist dabei nicht, eine Bewegung einfach nur zu erschweren. Die Schwierigkeit muss zum Golfer und zum Lernziel passen. Genau das war hier der Fall: Die überzeichnete Handgelenkbewegung diente nicht als neue Standardtechnik, sondern als gezielt eingesetzte Lernaufgabe, um Wahrnehmung, Koordination und Treffpunktkontrolle zu verbessern.
Der eigentliche Wert der Übung liegt deshalb nicht in der übertriebenen Bewegung selbst, sondern in der zusätzlichen Kontrollfähigkeit, die der Golfer dadurch für seine spätere Standardbewegung entwickeln kann.
Ein Beispiel aus unserem Golf Learning System
Dieser Golf Learning Insight gehört zum Practice Lab unseres Golf Learning Systems.
Solche Übungen sind Teil unseres Practice Lab innerhalb des Golf Learning Systems. Dort geht es nicht nur darum, eine Bewegung technisch zu korrigieren, sondern Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Treffpunktkontrolle, Variation und Anpassungsfähigkeit systematisch zu entwickeln.
Das Ziel ist, dass der Golfer nicht nur eine einzelne „richtige“ Bewegung wiederholen kann, sondern zunehmend versteht, wie Veränderungen entstehen und wie er darauf reagieren kann.
Solche Lernaufgaben in unserem Golfunterricht erleben

Solche Übungen entstehen nicht nach einem festen Rezept. Entscheidend ist, welche Bewegung ein Golfer kontrollieren möchte, welche Fähigkeit ihm dabei noch fehlt und welche Aufgabe ihm helfen kann, diese Fähigkeit besser wahrzunehmen und zu entwickeln.
In unseren Golfkursen für Einsteiger und Golfkursen für Handicap-Golfer auf Mallorca verbinden wir deshalb technische Arbeit mit gezielten Lernaufgaben, Variation und der späteren Anwendung auf dem Golfplatz.
Das Ziel ist nicht, möglichst viele Übungen zu machen. Das Ziel ist, Aufgaben so einzusetzen, dass der Golfer seine Bewegung besser versteht, mehr Kontrolle entwickelt und das Gelernte später selbstständig nutzen kann.
Diese Art der Fähigkeitsentwicklung ist ein Bestandteil unseres Golf Learning Systems und wird im Practice Lab gezielt weiterentwickelt.
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