Nicht jeder schlechte Schlag ist ein Technikproblem

Michel Monnard

Michel Monnard

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01/10/2026

Warum ein schlechtes Ergebnis zunächst nur zeigt, dass etwas passiert ist – und warum guter Golfunterricht zuerst nach der Ursache sucht, bevor etwas verändert wird.

Golfer spielt während eines Golfkurses auf Mallorca einen Bunkerschlag und arbeitet an Eintrittspunkt, Sandkontakt und Schlagkontrolle.

Nach einem misslungenen Bunkerschlag ist die Erklärung oft schnell gefunden.

Der Ball kommt nicht so aus dem Sand wie geplant, also entsteht unmittelbar der Gedanke: Es war zu wenig Geschwindigkeit, zu wenig Energie oder grundsätzlich etwas an der Technik falsch.

Genau so war es auch während einer unserer letzten Kurswochen.

Der Golfer war nach seinem Bunkerschlag überzeugt, dass er mehr Geschwindigkeit gebraucht hätte.

Wir hätten an dieser Stelle einfach eine technische Korrektur geben können.

Stattdessen haben wir den Schlag zunächst genauer betrachtet.

Ein schlechtes Ergebnis bedeutet nicht, dass alles falsch war

Nahaufnahme einer Bunkerlage zur Analyse von Sandbeschaffenheit, Schlagtechnik und möglichen Fehlerzonen.

Bei der Analyse zeigte sich etwas Interessantes.

Die Tiefe, mit der der Schläger durch den Sand gegangen war, passte grundsätzlich zur Aufgabe. Auch die eingesetzte Energie erschien ausreichend.

Das eigentliche Problem lag an einer anderen Stelle: Der Eintrittspunkt des Schlägers in den Sand war zu weit hinter dem Ball.

Damit änderte sich auch die Konsequenz für den nächsten Versuch.

Wir mussten nicht gleichzeitig mehr Geschwindigkeit verlangen, die Bewegung verändern und zusätzlich noch die Tiefe im Sand korrigieren.

Mehrere Teile des Schlages konnten bestehen bleiben. Die wahrscheinlich relevante Veränderung war deutlich kleiner: den Eintrittspunkt näher an den Ball zu bringen.

Mit derselben Energie hätte daraus ein völlig anderes Ergebnis entstehen können.

Ein schlechtes Ergebnis zeigt zunächst nur, dass etwas nicht wie geplant funktioniert hat. Es sagt noch nicht automatisch, welcher Teil verändert werden sollte.

Erst die Ursache suchen, dann die Intervention wählen

Auszug aus Kapitel 1 des Strategy Lab Handbuchs über technische und nicht-technische Ursachen von Fehlern im Golf.

Im Golf kann ein Fehler an sehr unterschiedlichen Stellen entstehen.

Manchmal ist es tatsächlich die Technik. Der Golfer kann den geplanten Schlag noch nicht zuverlässig ausführen, der Treffpunkt stimmt nicht oder die Bewegung produziert nicht den gewünschten Ballflug.

In anderen Situationen liegt das Problem bereits davor.

Vielleicht wurde eine Balllage nicht richtig eingeschätzt. Eine Gefahr wurde nicht wahrgenommen. Die eigene Streuung ist nicht bekannt. Ziel oder Schläger passen nicht zur Situation. Eine Erwartung basiert auf dem perfekten statt auf dem normalen Schlag. Oder Emotionen beeinflussen die Entscheidung.

Deshalb unterscheiden wir zwischen zwei Fragen: Wo ist das Problem entstanden?

und: Braucht dieses Problem tatsächlich eine technische Veränderung?

Das ist nicht dasselbe.

Ein guter Schlag kann trotzdem aus einer schlechten Entscheidung entstehen

Golfer bereitet auf Loch 13 bei Capdepera Golf einen Annäherungsschlag in eine anspruchsvolle Spielsituation vor.

Ein anderes Beispiel aus unserem Platztraining zeigt die andere Seite derselben Logik.

An Loch 13 entschied sich ein Spieler dafür, mit einem Eisen 5 einen relativ kleinen Bereich zwischen Bunkern und Wald anzuspielen.

Der Schlag gelang sehr gut.

Trotzdem bedeutet das gute Resultat nicht automatisch, dass auch die Entscheidung davor gut abgesichert war. Zielgröße, normale Streuung und die Konsequenz eines Fehlers mussten unabhängig vom Ergebnis betrachtet werden.

Genau darum geht es auch bei unserer Arbeit an Decision Quality im Golf: Entscheidung, Ausführung und Ergebnis sind drei unterschiedliche Dinge.

Ein guter Schlag kann eine problematische Entscheidung retten.

Ein schlechter Schlag kann umgekehrt trotz einer guten Entscheidung entstehen.

Und manchmal ist Technik genau die richtige Antwort

Golfer arbeitet mit einer Übungshilfe an Bewegung und Treffpunkt, um den Ballkontakt beim Golfschlag zu verbessern.

Ebenso wichtig ist die Gegenrichtung. In derselben Kurswoche zeigte sich bei einem anderen Problem, dass tatsächlich technische Information fehlte.

Der Golfer hatte bereits wiederholt gearbeitet, aber beim Treffpunkt blieb eine Unsicherheit bestehen. Erst die genauere Erklärung des Zusammenhangs zwischen Ballkontakt, anschließendem Bodenkontakt, Schaftposition und Gewichtsorganisation gab ihm die Information, die ihm bis dahin fehlte.

Hier war technische Arbeit genau die richtige Intervention.

Wir vereinfachten die Aufgabe und arbeiteten zunächst mit kürzeren Schlägen, damit die neue Information verstanden und ausprobiert werden konnte.

Das zeigt, warum unsere Position nicht lautet: Technik ist selten das Problem.

Sondern: Technik sollte dann verändert werden, wenn die Analyse zeigt, dass Technik tatsächlich die relevante Ursache ist.

Fehlerursachenanalyse gehört zum Golf Learning System

Die Golflehrer Michel Monnard und Tobias Widmer von der Golfschule Mallorca gemeinsam auf dem Golfplatz.

Genau deshalb betrachten wir einen Golfschlag nicht isoliert.

In unserem Golf Learning System betrachten wir Wahrnehmung, Information, Erwartung, Entscheidung, Vorbereitung, technische Ausführung und anschließende Bewertung als unterschiedliche Bereiche, in denen Fehler entstehen oder sich gegenseitig beeinflussen können.

Im Strategy Lab wird besonders sichtbar, wie Wahrnehmung, Informationen, Zielwahl, Risiko und Entscheidungen bereits vor dem eigentlichen Schwung Einfluss auf das spätere Resultat nehmen können.

Das bedeutet nicht, Technik abzuwerten.

Im Gegenteil: Je genauer wir die Fehlerursache bestimmen, desto gezielter können wir entscheiden, wann technische Arbeit notwendig ist – und wann eine andere Intervention sinnvoller wäre.

Gute Unterrichtsführung besteht deshalb nicht darin, auf jedes schlechte Resultat sofort mit einer neuen Korrektur zu reagieren.

Sie beginnt mit einer anderen Frage:

Was ist hier eigentlich passiert?

Erst danach entscheidet sich, was verändert werden sollte.

Monnard Widmer Coaching Insight Logo als grafisches Symbol für strategischen Golfunterricht und Unterrichtseinblicke

Monnard Widmer Coaching Insight

Ein schlechtes Ergebnis zeigt uns, dass etwas passiert ist. Erst die Analyse zeigt uns, was wir verändern sollten.

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