Ein gutes Golfresultat lässt sich nicht erzwingen

Michel Monnard

Michel Monnard

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20/08/2026

Warum Geduld, Schlagplanung und das richtige Verständnis einer Situation oft wichtiger sind als der Versuch, besonders gut zu spielen.

Infografik zu Exceptional Scores im World Handicap System mit 96,9 Prozent ohne außergewöhnliche Runde sowie den Schwellen von 7 und 10 Schlägen unter Handicap Index.

Das World Handicap System hat eine interessante Grenze eingebaut. Spielt ein Golfer einen Score Differential, der mindestens sieben Schläge besser ist als sein aktueller Handicap Index, gilt diese Leistung bereits als außergewöhnlich. Zwischen 7,0 und 9,9 Schlägen besser greift eine zusätzliche Handicap-Anpassung. Ab 10 Schlägen besser fällt diese noch stärker aus.

Und solche Runden sind tatsächlich selten. Laut einem World Handicap System Data Report von R&A und USGA, ausgewertet von National Club Golfer, hatten 96,9 Prozent der Golfer im Jahr 2025 keinen einzigen Exceptional Score.

Das wirft eine interessante Frage auf: Warum spielen Golfer trotzdem manchmal so, als müssten sie genau eine solche außergewöhnliche Runde aktiv herstellen

Eine weitere Zahl hilft, das einzuordnen. Nach Angaben des World Handicap Systems können Golfer im Allgemeinen erwarten, nur in etwa 20 Prozent ihrer Runden ihr Handicap oder besser zu spielen. In den meisten Runden liegt das Ergebnis ungefähr 2 bis 5 Schläge darüber.

Anders gesagt: Selbst das eigene Handicap zu spielen, ist nicht das Ergebnis, das das WHS bei jeder Runde erwartet.

Das Handicap ist kein Auftrag für die heutige Runde

Golfer playing from rough grass during training to learn common on course situations

Ein Handicap kann leicht eine falsche Erwartung erzeugen. Ein Golfer mit Handicap 18 weiß, was auf seiner Karte steht. Daraus kann unbewusst die Vorstellung entstehen: Heute sollte ich mein Handicap oder besser spielen.

Nach einem schlechten Start verändert sich dann schnell die Wahrnehmung der Runde. Ein Doppelbogey fühlt sich nicht mehr nur wie ein schlechtes Loch an, sondern wie etwas, das wieder aufgeholt werden muss. Ein Par 5 wird zur Gelegenheit, einen Schlag zurückzugewinnen. Eine schwierige Fahnenposition erscheint plötzlich als Chance, etwas Besonderes zu produzieren. Und nach einem schlechten Abschlag zwischen Bäumen lautet die Frage nicht mehr: Wie löse ich diese Situation sinnvoll? Sondern: Wie komme ich trotzdem noch aufs Grün?

Golfer treffen solche Entscheidungen nicht, weil sie nicht nachdenken können. Häufig ist eher das Gegenteil der Fall. Gerade ehrgeizige Menschen sind es gewohnt, Probleme aktiv zu lösen, Ziele zu verfolgen und Resultate zu verbessern. Im Beruf ist genau das oft eine Stärke. Auf dem Golfplatz kann daraus aber ein Problem entstehen, wenn aus Zielorientierung Ergebniszwang wird.

Nicht jede Möglichkeit ist eine Chance

Golfer spielt riskanten Schlag entlang eines Grünbunkers während einer strategischen Unterrichtssituation auf dem Golfplatz

Das ist eine der schwierigsten Unterscheidungen im Golf. Ein Schlag kann möglich sein, ohne eine gute strategische Option zu sein. Zwischen zwei Bäumen befindet sich vielleicht tatsächlich eine Lücke. Die Fahne ist vielleicht erreichbar. Ein langer Schlag über den Bunker ist technisch vielleicht machbar. Das beantwortet aber noch nicht die entscheidende Frage: Ist das hier wirklich eine gute Chance?

Eine Chance sollte nicht dadurch definiert werden, dass der perfekte Schlag ein gutes Ergebnis erzeugen würde. Entscheidend ist vielmehr, wie groß der Spielraum ist, was bei einem normalen Fehler passiert, wo ein größerer Fehler landet, wie gut die Situation zu den tatsächlichen Fähigkeiten des Golfers passt und ob zusätzliches Risiko die Situation überhaupt ausreichend verbessert.

Ein riskanter Schlag wird nicht automatisch zu einer guten Entscheidung, nur weil er funktioniert hat.

Die Aufgabe eines Schlages verstehen

Golfer analysiert schwierige Spielsituation neben einem Grünbunker vor dem Schlag während einer Strategy Lab Unterrichtseinheit

Genau hier beginnt Schlagplanung. Nicht jeder Schlag auf dem Golfplatz hat dieselbe Aufgabe. Manchmal soll ein Schlag tatsächlich eine gute Chance auf das Grün erzeugen. Manchmal soll er den Ball im Spiel halten, einen besseren Winkel für den nächsten Schlag schaffen, einen großen Fehler verhindern oder eine schwierige Situation stabilisieren. In anderen Situationen geht es darum, eine echte Chance zu nutzen, ohne gleichzeitig eine unnötig große Fehlerseite zu öffnen.

Wer bei jedem Schlag nur fragt, wie er möglichst nah an die Fahne kommt, behandelt vollkommen unterschiedliche Situationen so, als hätten sie dieselbe Aufgabe. Das haben sie nicht. Ein Ball zwischen Bäumen verlangt etwas anderes als ein Ball mitten auf dem Fairway. Eine schwierige Balllage verlangt etwas anderes als ein perfektes Lie. Eine Fahne direkt hinter Wasser verlangt eine andere Risikobewertung als eine Fahne mitten auf einem großen Grün. Und ein Golfer, der an diesem Tag seinen Ball schlecht trifft, sollte möglicherweise anders planen als derselbe Golfer an einem sehr guten Tag.

Die Situation bestimmt die Aufgabe des Schlages. Nicht der Score, den wir gerne spielen würden.

Geduld beginnt mit Verständnis

Golfern wird häufig gesagt, sie müssten geduldiger spielen. Das stimmt wahrscheinlich. Aber „Sei geduldig“ ist noch keine besonders hilfreiche Anweisung. Geduld entsteht leichter, wenn der Golfer versteht, warum er gerade nicht angreifen sollte.

Wer erkennt, dass die aktuelle Aufgabe lediglich darin besteht, den Ball wieder in eine gute Position zu bringen, empfindet einen kontrollierten Recovery-Schlag nicht automatisch als verlorene Gelegenheit. Wer seine Streuung kennt, versteht eher, warum eine Fahne hinter einem Hindernis nicht zwingend das richtige Ziel ist. Und wer weiß, dass außergewöhnlich gute Scores tatsächlich außergewöhnlich sind, muss nicht nach sechs Löchern beginnen, eine besondere Runde zu erzwingen.

Geduld bedeutet nicht, passiv Golf zu spielen. Sie bedeutet, nicht von einer einzelnen Situation zu verlangen, dass sie das Gesamtergebnis herstellen muss.

Eine gute Runde entsteht über 18 Löcher

Golfspielerin trägt Ergebnisse auf einer Scorekarte während der Platzreifeprüfung auf Mallorca ein

Ein Golfergebnis entsteht nicht aus einem perfekten Schlag. Es entsteht über 18 Löcher aus vielen unterschiedlichen Situationen, in denen ständig Informationen aufgenommen, bewertet und unterschiedlich gewichtet werden müssen. Distanz, Wind, Balllage, Streuung, Hindernisse, Carry, Tagesform, Score, Emotion und der mögliche nächste Schlag können die Entscheidung beeinflussen.

Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Informationen zu sammeln. Entscheidend ist, zu erkennen, welche Informationen in der jeweiligen Situation wirklich Gewicht haben. Bei einer einfachen Standardsituation darf vieles automatisch ablaufen. Bei einer schwierigen Recovery-Situation können Balllage, Flughöhe und Spielfenster plötzlich entscheidend werden. Bei einem Grünangriff über Wasser bekommt die eigene Streuung möglicherweise mehr Gewicht als die Fahnenposition.

Nach einem Doppelbogey kann sogar die eigene emotionale Reaktion zu einer wichtigen Information werden. Dann gehört zur Schlagplanung auch die Frage: Spiele ich gerade diese Situation oder versuche ich, den letzten Fehler wiedergutzumachen?

Golf ist ein Optimierungsprozess

In einem erfolgreichen Unternehmen entsteht ein besseres Ergebnis ebenfalls selten durch eine einzige spektakuläre Entscheidung. Ein Hotelier verbessert seine Abläufe, reduziert Food Waste, kauft bessere Produkte zu besseren Konditionen ein, plant Personal effizienter und versucht, vorhandene Ressourcen sinnvoller einzusetzen. Keine einzelne dieser Maßnahmen produziert den gesamten Gewinn. Aber viele kleine Verbesserungen verändern am Ende das Gesamtergebnis.

Beim Golf ist es ähnlich. Der Golfer versucht über 18 Löcher fortlaufend, mit den Fähigkeiten, die ihm an diesem Tag zur Verfügung stehen, möglichst gute Lösungen zu finden. Manchmal ist die optimale Lösung aggressiv, manchmal konservativ und manchmal ausgesprochen unspektakulär. Gelegentlich besteht die beste Entscheidung sogar darin, einen bereits entstandenen Fehler zu akzeptieren und lediglich zu verhindern, dass daraus der nächste entsteht.

Eine gute Runde entsteht nicht dadurch, dass jeder Schlag etwas Besonderes leisten muss. Sie entsteht dadurch, dass jeder Schlag möglichst gut die Aufgabe erfüllt, die ihm die jeweilige Situation gibt.

Auf echte Chancen warten

Golfer und Kind beim Putten auf einem ruhigen Grün im Capdepera Golf auf Mallorca mit klarem Fokus und ohne Ablenkung

Das verändert auch die Bedeutung von guter Spielstrategie. Die Alternative zum Erzwingen eines Resultats ist nicht defensives Golf. Es geht darum, echte Chancen zu erkennen und sie zu nutzen. Wenn die Situation einen Angriff sinnvoll macht, darf der Golfer angreifen. Wenn sie ihn nicht hergibt, muss er aus ihr keine künstliche Chance machen.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Fähigkeiten auf dem Golfplatz: zu erkennen, wann etwas passieren darf und wann nichts Besonderes passieren muss. Denn ein außergewöhnlich guter Score entsteht nicht zwangsläufig dadurch, dass ein Golfer 18 Löcher lang versucht, außergewöhnliches Golf zu spielen. Vielleicht entsteht er gerade deshalb, weil er normale Situationen normal löst, schlechte Situationen nicht eskalieren lässt und bereit ist zu warten, bis der Platz ihm eine wirkliche Chance gibt.

Vom Wissen zur Schlagplanung

Blick über das Fairway von Loch 18 mit verschiedenen strategischen Informationen für die Schlagplanung.

In unserem Golfunterricht beschäftigen wir uns deshalb nicht nur damit, wie ein Ball geschlagen wird. Ein wichtiger Teil des Lernens besteht darin, vor dem Schlag zu verstehen, welche Situation vorliegt, welche Informationen wirklich relevant sind und welche Aufgabe der Schlag erfüllen soll. Dazu gehören auch Fragen nach Zielzone, Streuung, akzeptablem Fehler, Risiko und der Position, die wir für den nächsten Schlag vorbereiten möchten.

Diese Überlegungen gehören zu unserem Bereich der Schlagplanung innerhalb des Golf Learning Systems. Ziel ist dabei nicht, dass ein Golfer vor jedem Schlag eine lange Checkliste abarbeitet. Mit zunehmender Erfahrung sollen sinnvolle Muster schneller erkannt, Informationen besser priorisiert und Entscheidungen immer selbstständiger getroffen werden.

Denn guter Golfunterricht sollte nicht nur bessere Schläge produzieren. Er sollte dem Golfer helfen zu verstehen, wann welcher Schlag überhaupt sinnvoll ist.

Verbindung zum Golf Learning System

Golferin analysiert vor einem Schlag die Spielsituation auf dem Golfplatz und plant ihre nächste Entscheidung.

Genau hier setzt unser Golf Learning System an. Gute Entscheidungen entstehen nicht erst im Moment des Schwungs. Der Golfer muss die Situation erkennen, relevante Informationen gewichten, mögliche Folgen einschätzen und daraus eine Aufgabe für den nächsten Schlag ableiten.

Dabei geht es nicht darum, vor jedem Schlag kompliziert zu rechnen. Ziel ist, mit der Zeit bessere Entscheidungsmuster aufzubauen: Wann ist eine Situation eine echte Chance? Wann reicht eine sichere Lösung? Welche Fehlerseite ist akzeptabel? Und welche Position möchte ich für den nächsten Schlag vorbereiten?

So wird aus allgemeinem Wissen konkrete Schlagplanung. Technik bleibt wichtig, wird aber in einen größeren Zusammenhang gestellt: Der passende Schlag ist nicht automatisch der spektakulärste, sondern derjenige, der zur Situation, zu den eigenen Fähigkeiten und zum weiteren Verlauf des Lochs passt.

Monnard Widmer Coaching Insight

Monnard Widmer coaching insight badge highlighting key learning concept in golf training

Geduld beginnt nicht beim Warten. Sie beginnt beim Verstehen, was der aktuelle Schlag wirklich leisten muss.

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