
Bei rund 2,5 Metern (8 Fuss) liegt die durchschnittliche Erfolgsquote selbst bei Tourspielern ungefähr bei 53 Prozent. Anders gesagt: Selbst die besten Golfer der Welt lochen aus dieser Entfernung ungefähr genauso häufig ein, wie sie daneben putten. Aktuelle PGA-Tour-Statistiken zeigen sehr deutlich, wie schnell die Erfolgsquote mit zunehmender Entfernung sinkt. (PGA Tour)

Für Freizeitgolfer stellt sich deshalb eine interessante Trainingsfrage:
In welchem Distanzbereich können wir unsere begrenzte Trainingszeit und eine noch wenig entwickelte Kontrollfähigkeit so einsetzen, dass bereits kleine Verbesserungen möglichst viel Wirkung erzeugen?
Für uns liegt ein besonders interessanter Arbeitsbereich in den letzten etwa 3 bis 5 Fuß vor dem Loch, also ungefähr zwischen 1 und 1,5 Metern.
Wenn wir im Folgenden vom „letzten Meter“ sprechen, ist das deshalb eher ein Begriff für diesen kurzen Scoring-Bereich als eine exakt auf einen Meter begrenzte Distanz.
Das bedeutet nicht, dass längere Putts weniger wichtig wären. Dort verändert sich lediglich das Trainingsziel. Bei mittleren und langen Putts geht es wesentlich stärker darum, die Gesamtdistanz zu kontrollieren und den nächsten Putt möglichst unkompliziert zu hinterlassen. Im Bereich der letzten 3 bis 5 Fuß steigt dagegen die Chance, dass eine Verbesserung der Kontrolle direkt einen Schlag spart.
Der letzte Meter ist ein anderes Tier

Mittlere und lange Putts verlangen vor allem eine gute Kontrolle der Gesamtdistanz. Wer einen Ball aus 10, 15 oder 20 Metern so an das Loch spielen kann, dass der nächste Putt möglichst unkompliziert wird, besitzt eine wichtige Fähigkeit.
Im kurzen Scoring-Bereich der letzten etwa 3 bis 5 Fuß verändert sich die Aufgabe.
Jetzt geht es wesentlich häufiger darum, den Schlag tatsächlich zu sparen.
Dafür reicht es nicht, den Ball ungefähr in Richtung Loch zu spielen. Mehrere Informationen und Fähigkeiten müssen gleichzeitig zusammenpassen.
Der Golfer muss erkennen, in welche Richtung das Grün fällt. Er muss einschätzen, wie stark dieses Gefälle ist. Daraus entsteht eine mögliche Startlinie. Und diese Startlinie funktioniert nur zusammen mit der dazu passenden Geschwindigkeit.
Break und Geschwindigkeit gehören zusammen.
Ein langsamer gespielter Ball benötigt bei demselben Gefälle eine andere Startlinie als ein schnellerer Ball.
Genau diese Verbindung ist für viele Freizeitgolfer zunächst alles andere als selbstverständlich.
Drei Bälle auf dem Puttinggrün sind noch kein Training

Viele Golfer verbringen ohnehin relativ wenig Zeit auf dem Puttinggrün.
Und wenn sie dort trainieren, sehen wir häufig ein bekanntes Muster: Drei Bälle aus der Tasche, einige Putts zu verschiedenen Löchern und danach geht es weiter.
Man hat geputtet.
Aber welche Fähigkeit wurde dabei eigentlich entwickelt?
Gerade bei höheren Handicaps ist der letzte Meter häufig noch ein Mysterium. Nicht unbedingt, weil der Golfer zu wenig Bälle gespielt hat, sondern weil er sich mit dieser Aufgabe noch nie systematisch beschäftigt hat und oft nicht weiß, was genau er trainieren soll.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Ohne klare Referenzen fehlt häufig das Feedback. Auf diesem Bild steht der Putter leicht auf der Spitze. Dadurch zeigt die Ausrichtungslinie des Putters und damit auch das Schlägerblatt nicht exakt auf den beabsichtigten Zielpunkt.
Der Golfer kann also durchaus glauben, korrekt ausgerichtet zu sein, obwohl die tatsächliche Startausrichtung bereits abweicht.
Mehr Wiederholungen allein lösen dieses Problem nicht.
Wir müssen zuerst verstehen, welche Informationen der Golfer benötigt und welche Fähigkeiten er kontrollieren lernen muss.
Break lesen ist nur der Anfang

Der erste Schritt besteht darin, überhaupt zu erkennen, wohin das Grün fällt. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, einem Golfer zu zeigen, wie er ein Grün beobachten und lesen kann.
Doch „links nach rechts“ reicht noch nicht.
Der nächste Schritt ist schwieriger: Wie stark ist das Gefälle? Denn erst wenn wir die Breakmenge einigermaßen einschätzen können, können wir beginnen, eine sinnvolle Startlinie festzulegen. Und selbst diese Startlinie ist noch keine fertige Lösung.
Jetzt benötigen wir noch die passende Geschwindigkeit. Der Lernprozess lässt sich deshalb vereinfacht so beschreiben:
Gefällerichtung erkennen → Gefälle einschätzen → Startlinie bestimmen → Geschwindigkeit dazu passend wählen → Ball kontrolliert starten.
Im Unterricht erleben wir dabei regelmäßig einen interessanten Moment.
Die Golfer beginnen zu verstehen, dass sie bisher deutlich weniger Informationen verarbeitet und deutlich weniger Aufwand betrieben haben, als für eine wirklich kontrollierte Lösung notwendig wäre.
Man könnte sagen: Die Lampen gehen an.
Wir wollen lernen, wie sich ein Putt verhält

Unser Ziel ist deshalb nicht nur, mehr kurze Putts einzulochen. Wir wollen verstehen, wie Putts sich verhalten und welche Teile dieses Verhaltens wir beeinflussen können.
Wir lernen, Gefälle einzuschätzen. Wir lernen, eine gewünschte Startlinie kontrolliert anzuspielen. Und wir lernen, unterschiedliche Geschwindigkeiten bewusst zu produzieren.
Zu Beginn arbeiten wir dafür teilweise mit Hilfsmitteln und sichtbaren Referenzen. Sie helfen dabei, Wahrnehmung und tatsächliches Ergebnis miteinander zu vergleichen.
Später werden diese Hilfsmittel wieder entfernt. Denn das Ziel ist nicht, auf dem Golfplatz von Trainingshilfen abhängig zu sein. Das Ziel ist, dass der Golfer die Information selbst erkennen, verarbeiten und schließlich eine passende Lösung produzieren kann.
Geschwindigkeit ist keine Nebenwirkung

Bei all diesen Aufgaben spielt Geschwindigkeit eine zentrale Rolle. Wenn Geschwindigkeitskontrolle eine wesentliche Fähigkeit beim Putten ist, sollten wir sie auch gezielt entwickeln. Gerade im letzten Meter geht es dabei um sehr kleine Unterschiede. Das unterscheidet diese Aufgabe deutlich von vielen klassischen Distanzkontrollübungen.
Bei einem Putt über 10 oder 20 Meter müssen wir große Unterschiede in der benötigten Energie kontrollieren. Im Bereich von etwa 1 bis 1,5 Metern benötigen wir dagegen eine wesentlich feinere Auflösung.
Ein Ball soll vielleicht etwas langsamer rollen als der vorherige. Nicht einen Meter kürzer. Nur ein kleines Stück. Und genau diese kleinen Unterschiede können trainiert werden.
Eine einfache Aufgabe verändert das Training

Eine Übung aus unserem Practice Lab zeigt dieses Prinzip sehr gut. Wir markieren in der Nähe des Grünrandes mit zwei Tees eine Linie. Der Golfer spielt drei Bälle.
Ball zwei soll etwas weiter rollen als Ball eins. Ball drei wiederum etwas weiter als Ball zwei. Alle drei Bälle müssen jedoch zwischen der Tee-Linie und dem Ende des Grüns liegen. Schafft der Golfer die Aufgabe, wird die Tee-Linie ungefähr einen halben Fuß näher an den Grünrand verschoben.
Der verfügbare Raum wird kleiner. Damit steigt die Anforderung an die Geschwindigkeitskontrolle.Schafft er die Aufgabe nicht, wird die Linie wieder ungefähr einen halben Fuß nach hinten versetzt.
So passt sich die Schwierigkeit an die aktuelle Fähigkeit des Golfers an. Plötzlich geht es nicht mehr darum, einfach drei Putts zu spielen.
Der Golfer muss drei unterschiedliche Geschwindigkeiten bewusst produzieren und innerhalb eines immer kleiner werdenden Bereichs kontrollieren.
Aus grober Kontrolle wird Feinsteuerung

Je kleiner dieser Bereich wird, desto interessanter wird die Aufgabe. Der Golfer beginnt Unterschiede wahrzunehmen, die vorher kaum eine Rolle gespielt haben. Ein wenig zu viel Geschwindigkeit. Ein wenig zu wenig.
Eine Veränderung im Bewegungsumfang. Ein Unterschied im Kontakt. Und genau diese Feinsteuerung benötigen wir anschließend wieder, wenn wir Break und Startlinie miteinander verbinden.
Denn eine Startlinie kann noch so gut gewählt sein: Wenn die Geschwindigkeit nicht dazu passt, verändert sich auch der Verlauf des Putts.
Der letzte Meter verlangt deshalb nicht nur Mut oder eine gute Technik.
Er verlangt Kontrolle.
Erst verstehen, dann stabilisieren, dann unter Druck abrufen
Damit endet der Lernprozess für uns noch nicht. Eine Fähigkeit einmal produzieren zu können bedeutet nicht automatisch, dass sie auf dem Golfplatz verfügbar ist.

Zuerst müssen technische Grundlagen und das Verständnis für die Aufgabe vorhanden sein. Danach versuchen wir, die Kontrolle zu stabilisieren. Und anschließend müssen wir testen, ob diese Fähigkeit auch noch funktioniert, wenn die Aufgabe schwieriger wird und das Ergebnis Bedeutung bekommt.
Genau deshalb arbeiten wir im Practice Lab mit Scores, wechselnden Distanzen, Zielzonen, Konsequenzen und Wettbewerbsformen.
Bei längeren Putts können das beispielsweise Aufgaben aus 5, 10, 15, 20 oder 25 Metern sein. Dabei geht es nicht nur um Distanzkontrolle. Die Putting-Übungen erzeugen bewusst Situationen, in denen der Golfer mit Unsicherheit, Ergebnisdruck und den eigenen Reaktionen darauf umgehen muss.
Pressure creates Diamonds.

Die zuvor entwickelte Fähigkeit muss jetzt unter Belastung verfügbar bleiben. Der letzte Meter gehört ebenfalls in diesen Prozess.
Zuerst verstehen wir, was passieren muss.
Dann lernen wir, es zu kontrollieren.
Dann stabilisieren wir diese Kontrolle.
Und irgendwann muss der Golfer zeigen, dass er sie auch dann abrufen kann, wenn der Putt zählt.
Kleine Verbesserung, große Wirkung

Natürlich können wir auch Putts aus drei, fünf oder zehn Metern trainieren.
Das sollten wir sogar.
Die Statistik erinnert uns aber daran, realistische Erwartungen zu behalten. Mit zunehmender Entfernung wird selbst für Tourspieler das Einlochen sehr schnell wesentlich schwieriger. Auf der PGA Tour liegt die Erfolgsquote aus fünf Fuß noch deutlich über jener aus dem Bereich zwischen fünf und zehn Fuß. (PGA Tour)
Für einen Freizeitgolfer kann es deshalb sinnvoll sein, einen Teil seiner Trainingszeit dort einzusetzen, wo eine überschaubare Verbesserung der Kontrolle besonders häufig direkte Auswirkungen auf den Score haben kann.
Die letzten 1 bis 1,5 Meter sind dafür ein sehr interessanter Bereich.
Nicht weil sie einfach sind.
Sondern gerade weil dort kleine Unterschiede in Wahrnehmung, Startlinie und Geschwindigkeit darüber entscheiden können, ob aus zwei Putts einer wird.
Coaching Insight

Ein kurzer Putt ist keine Linie. Er ist eine Kombination aus Linie und Geschwindigkeit.









