Warum Stabilisierung im Golftraining nicht in einer geraden Linie verläuft

Michel Monnard

Michel Monnard

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27/09/2026

Warum Stabilisierung im Golftraining nicht bedeutet, dieselbe Aufgabe unverändert zu wiederholen – sondern zu erkennen, wann Wiederholung hilft, wann eine neue Anforderung sinnvoll ist und wann wir wieder vereinfachen müssen.

In einer unserer letzten fünftägigen Kurswochen wurde etwas sehr deutlich, das im Golftraining leicht missverstanden wird:

Stabilisierung verläuft selten in einer geraden Linie.

Golfer wiederholt eine Pitching-Aufgabe aus dem Semi-Rough auf eines der zuvor trainierten Ziele.

Ein Golfer findet eine funktionierende Lösung, wiederholt sie und wird sicherer. Dann verändern wir die Aufgabe. Eine andere Balllage, ein anderer Schläger, eine größere Bewegung oder eine anspruchsvollere Situation können zeigen, wie zuverlässig das Erarbeitete bereits verfügbar ist.

Geht dabei Qualität verloren, bedeutet das nicht automatisch, dass die vorherige Arbeit nicht funktioniert hat. Es kann auch bedeuten, dass die neue Anforderung im Moment noch zu groß ist.

Dann kann der richtige nächste Schritt darin bestehen, die Aufgabe wieder zu vereinfachen.

Erst vereinfachen, dann aufbauen

Golfer trainiert Pitch-Schläge auf der Driving Range in kurzen Serien zur Stabilisierung technischer Veränderungen.

Während dieser Kurswoche arbeiteten wir unter anderem an Treffpunkt, Bodenkontakt und der Organisation der Bewegung.

Zu Beginn war es sinnvoll, einzelne Aufgaben bewusst einfacher zu halten. Kürzere Schläge, überschaubare Bewegungen und klarere Bedingungen halfen dem Golfer, zunächst eine funktionierende Lösung zu finden und besser wahrzunehmen, was sich bei einem guten Versuch verändert hatte.

Sobald diese Lösung zuverlässiger wurde, folgte Wiederholung.

Nicht, weil Wiederholung grundsätzlich die beste Trainingsform wäre. Sie gab dem Golfer in diesem Moment die Möglichkeit, Bewegung, Treffpunkt und Rückmeldung besser miteinander zu koordinieren.

Erst danach erhöhten wir die Anforderungen.

Wir wechselten beispielsweise zwischen Fairway und Semirough, veränderten Balllagen, arbeiteten mit Pitching Wedge und Eisen 7 und gingen von kleineren Bewegungen zu größeren Schlägen über.

Das technische Thema blieb teilweise ähnlich. Die Aufgabe für den Golfer war jedoch nicht mehr dieselbe.

Schwieriger machen ist kein Selbstzweck

Golfer trainiert während eines Golfkurses auf Mallorca Pitchschläge über 20 und 30 Meter auf der Driving Range

Ein häufiger Fehler wäre, jede erfolgreiche Aufgabe automatisch sofort schwieriger zu machen.

Genau darum geht es uns nicht.

Wir verändern eine Aufgabe dann, wenn die aktuelle Lösung stabil genug erscheint, um eine neue Anforderung sinnvoll zu verkraften.

Manchmal funktioniert dieser nächste Schritt erstaunlich gut. Manchmal zeigt er sehr schnell, wo noch Unsicherheit vorhanden ist.

Dann beobachten wir: Bleibt der Treffpunkt ausreichend zuverlässig? Kann der Golfer die Bewegung weiterhin organisieren? Erkennt er Unterschiede zwischen den Versuchen? Oder führt die zusätzliche Schwierigkeit dazu, dass das eigentliche Lernziel zunehmend verloren geht?

Die Reaktion des Golfers hilft uns dabei zu entscheiden, wie der nächste Trainingsschritt aussehen sollte.

Eine solche Veränderung der Aufgabe zeigt uns nicht nur, ob ein Schlag gelingt. Sie liefert Informationen darüber, wie stabil und anpassbar die zuvor erarbeitete Lösung bereits ist.

Warum eine sichtbare technische Veränderung allein noch nicht bedeutet, dass eine Fähigkeit wirklich gelernt ist, erklären wir ausführlicher im Golf Learning Insight Wann ist eine technische Veränderung im Golf wirklich gelernt?

Im Video spielt der Golfer einen Schlag aus dem Semirough in leicht ansteigender Lage. Die Situation ist bewusst anspruchsvoller als eine neutrale Balllage auf der Driving Range: Untergrund, Gras, Hang und Treffpunkt müssen gleichzeitig berücksichtigt werden.

Bei genauer Betrachtung ist leichter Graskontakt vor dem eigentlichen Ballkontakt zu erkennen. Für den Coach ist das eine wichtige Information. Sie zeigt, dass der Treffpunkt möglicherweise in dieser Lage noch nicht vollständig stabil ist und dass die Kontrolle des Angriffswinkels unter veränderten Bedingungen weiter beobachtet werden sollte.

Gleichzeitig zeigen andere Elemente bereits funktionale Anpassungen. Die Beinarbeit gegen den Hang und die Organisation der Bewegung deuten darauf hin, dass der Golfer die Besonderheiten der Lage wahrnimmt und versucht, seinen Schlag entsprechend anzupassen.

Genau hier wird Stabilisierung im Golftraining interessant: Es reicht nicht, eine Bewegung unter einer einzigen Bedingung ausführen zu können. Wir wollen herausfinden, ob der Golfer Treffpunkt und Angriffswinkel auch bei unterschiedlichen Balllagen zunehmend kontrollieren kann.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Hat dieser Schlag funktioniert? Sondern: Bleibt die Lösung über mehrere Wiederholungen und unter veränderten Bedingungen verfügbar?

Wenn sich dabei zeigt, dass der Treffpunkt oder die Kontrolle des Angriffswinkels noch zu stark schwankt, kann der nächste sinnvolle Schritt wieder einfacher werden, zum Beispiel durch gezieltere Aufgaben auf der Driving Range oder durch weitere kontrollierte Situationen auf dem Golfplatz.

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Manchmal führt Stabilisierung wieder über eine einfachere Aufgabe

Golfer trainiert bei einem kurzen Schlag bewusst eine große Handgelenkbewegung, um Timing und koordinative Kontrolle zu verbessern.

Genau das passierte auch in dieser Woche.

Nachdem wir bereits mit unterschiedlichen Lagen, Schlägern und größeren Bewegungen gearbeitet hatten, zeigte sich beim Treffpunkt, dass noch eine zusätzliche Information notwendig war.

Warum wir in solchen Situationen nicht automatisch weiter wiederholen, sondern manchmal zunächst zusätzliche Information geben oder die Aufgabe vereinfachen, beschreiben wir auch im Golf Learning Insight Wann braucht ein Golfer mehr Übung – und wann mehr Information?

In diesem Moment hätte weiteres Üben mit der schwierigeren Aufgabe das eigentliche Problem nicht unbedingt gelöst.

Wir gingen deshalb wieder zurück zu ungefähr 30 Meter langen Pitches. Die Bewegung wurde kleiner und die Aufgabe überschaubarer. Dadurch konnte sich der Golfer wieder stärker auf Ballkontakt, Bodenkontakt und die Verbindung der einzelnen Bewegungselemente konzentrieren.

Von außen könnte das wie ein Rückschritt aussehen.

Für den Lernprozess war es das Gegenteil. Die vereinfachte Aufgabe schuf die Bedingungen, unter denen die neue Information sinnvoll verarbeitet und ausprobiert werden konnte.

Die konkrete Arbeit an Treffpunkt und Bodenkontakt beschreiben wir ausführlicher in unserem Golf Learning Insight zum Verbessern des Treffpunkts beim Chippen und Pitchen. In diesem Artikel geht es dagegen um die Frage, wie wir die Schwierigkeit während eines Lernprozesses steuern.

Wiederholung und Variation erfüllen unterschiedliche Funktionen

Detail einer Chipping-Übung zur Entwicklung eines steileren Angriffswinkels

Deshalb versuchen wir, Wiederholung und Variation nicht gegeneinander auszuspielen.

Wiederholung kann helfen, eine Lösung besser zu organisieren und zuverlässiger verfügbar zu machen. Variation kann anschließend zeigen, ob diese Lösung auch dann funktioniert, wenn sich Bedingungen verändern.

Beides kann wertvoll sein. Entscheidend ist der Zeitpunkt.

Ein Golfer, der eine neue Bewegung gerade erst versteht, braucht möglicherweise zunächst mehrere ähnliche Versuche. Zu einem anderen Zeitpunkt kann eine andere Balllage, ein anderer Schläger oder eine größere Bewegung genau die Information liefern, die wir für den nächsten Lernschritt benötigen.

Und derselbe Golfer kann innerhalb einer einzigen Kurswoche mehrfach zwischen diesen beiden Situationen wechseln.

Diese Verbindung aus gezielter Wiederholung, angepasster Schwierigkeit, Variation und erneuter Stabilisierung ist ein wichtiger Bestandteil unseres Practice Labs.

Stabilisierung ist deshalb kein gerader Weg

Der Verlauf dieser Kurswoche lässt sich nicht als einfache Linie beschreiben.

Vereinfachen → funktionierende Lösung finden → wiederholen → Schwierigkeit erhöhen → beobachten → anpassen → bei Bedarf wieder vereinfachen → erneut stabilisieren → später wieder erschweren.

Golfer beim Chipping-Training mit FlightScope zur Messung des Angriffswinkels

Genau darin liegt ein wichtiger Teil guter Unterrichtsführung.

Nicht möglichst viele Übungen anzubieten. Nicht möglichst schnell Variation einzubauen. Und auch nicht dieselbe Aufgabe so lange zu wiederholen, bis alle Bälle gleich aussehen.

Sondern zu beobachten, was der Golfer gerade zeigt, und daraus den nächsten sinnvollen Lernschritt abzuleiten.

Manchmal bedeutet das mehr Wiederholung. Manchmal eine neue Anforderung. Manchmal eine andere Balllage oder einen anderen Schläger. Und manchmal bedeutet es, die Aufgabe wieder kleiner zu machen, damit eine neue Information überhaupt sinnvoll verarbeitet werden kann.

In unserem Golf Learning System verstehen wir Stabilisierung deshalb nicht als starres Wiederholen einer einmal gefundenen Lösung. Ziel ist, Fähigkeiten zunehmend zuverlässiger und anpassbarer zu machen, damit sie später auch unter wechselnden Bedingungen auf dem Golfplatz verfügbar bleiben.

Monnard Widmer Coaching Insight Logo als grafisches Symbol für strategischen Golfunterricht und Unterrichtseinblicke

Monnard Widmer Coaching Insight

Stabilisierung bedeutet nicht, eine Aufgabe immer gleich zu lassen. Sie bedeutet auch zu erkennen, wann ein Golfer bereit für eine neue Anforderung ist – und wann eine einfachere Aufgabe der bessere nächste Schritt ist.

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