Warum eine schnelle technische Verbesserung erst der Anfang des Lernprozesses sein kann.

Zwei fortgeschrittene Golfer kamen mit einem klaren Problem in den Unterricht: Ihr kurzes Spiel rund ums Grün funktionierte nicht zuverlässig.
Am ersten Tag konnten wir einige technische Ursachen relativ schnell erkennen und verändern. Bereits nach etwa einer halben Stunde waren deutliche Verbesserungen zu sehen. Treffpunkt und Ballflug wurden besser, die Bewegung funktionierte.
Man könnte an diesem Punkt sagen: Problem gelöst.
Für uns begann damit aber erst die interessantere Frage:
Ist die Veränderung nur gerade gelungen oder entwickelt sich daraus tatsächlich eine Fähigkeit, die der Golfer auch später wieder abrufen kann?
Eine technische Veränderung kann erstaunlich schnell entstehen

Eine Bewegung zu verstehen oder einige Male erfolgreich auszuführen, kann relativ schnell gehen. Lernen braucht jedoch mehr als diesen ersten Erfolg.
Am zweiten Tag griffen wir die technische Veränderung deshalb erneut auf. Sie war nicht verschwunden, aber auch noch nicht selbstverständlich verfügbar. Diesmal fanden die Golfer schneller zur gewünschten Lösung zurück und konnten sie stabiler wiederholen.
Genau dieser zeitliche Verlauf ist interessant.
Was gestern funktioniert hat, muss heute wieder verfügbar sein. Und was unter gleichbleibenden Bedingungen funktioniert, muss noch lange nicht funktionieren, wenn sich die Aufgabe verändert.
Dann nehmen wir die Sicherheit der Wiederholung weg

Am dritten Tag veränderten wir deshalb bewusst die Anforderungen.
Aus Chippen wurde Pitchen. Schläger, Ausgangspositionen und Ziele wechselten. Anschließend kamen Aufgaben aus dem Practice Lab mit einem Punktesystem hinzu.
Der Score diente dabei nicht in erster Linie als Wettbewerb. Er half uns zu erkennen, was von der technischen Veränderung übrig blieb, sobald nicht mehr zehn ähnliche Bälle hintereinander gespielt wurden.
Und genau dann tauchten wieder Fehler auf.
Das ist kein Scheitern des Trainings. Es ist Information.
Denn ein misslungener Schlag sagt zunächst nur, dass die gesamte Aufgabe nicht wie gewünscht gelöst wurde. Die Ursache muss nicht automatisch in der Technik liegen. Wahrnehmung, Schlagwahl, Zielsetzung, Aufmerksamkeit oder Ausführung können alle eine Rolle spielen.
In unserem Strategy Lab betrachten wir deshalb den gesamten Prozess eines Schlages: Wahrnehmung, Vorbereitung, Entscheidung und Ausführung.
Manchmal liegt der Fehler plötzlich ganz woanders

Das zeigte sich besonders deutlich bei einer Golferin.
In einer weiteren Aufgabe verschlechterte sich ihr Ergebnis zunächst deutlich. Man hätte vermuten können, dass die neue Technik unter wechselnden Anforderungen zusammenbrach.
Bei genauerer Beobachtung zeigte sich jedoch etwas anderes.
Sie orientierte sich stark an einem gesetzten Marker und versuchte von dort aus „kurz“ zu spielen. Der tatsächliche Zielbereich lag jedoch kurz rechts davon. Ihre Wahrnehmung und die daraus abgeleitete Aufgabe passten nicht mehr vollständig zur Situation.
Das Problem war in diesem Moment nicht primär die Schlagtechnik.
Genau deshalb ist es wichtig, einen Fehlschlag nicht automatisch mit einer neuen technischen Korrektur zu beantworten.
Vom Übungsbereich auf den Golfplatz

Anschließend führten wir die Veränderung auf dem Golfplatz weiter.
Jetzt wechselten Balllagen, Entfernungen, Grünformen und Aufgaben ständig. Die Golfer mussten die Bewegung nicht nur reproduzieren, sondern an unterschiedliche Situationen anpassen.
Nicht jeder Ball wurde perfekt getroffen.
Das muss er zu diesem Zeitpunkt auch nicht.
Beide Golfer berichteten über eine deutliche Verbesserung ihres kurzen Spiels. Gleichzeitig zeigten einzelne Fehlschläge, wo die neue Lösung unter wechselnden Bedingungen noch nicht vollständig stabil war.
Damit entstand die Information, die wir für den nächsten Trainingsschritt benötigen.
Verbindung zum Golf Learning System
Genau hier greifen die Bereiche unseres Golf Learning Systems ineinander.
Technische Arbeit kann eine Lösung verändern. Im Practice Lab wird daraus eine Fähigkeit, die wiederholt, variiert und getestet werden muss. Im Strategy Lab betrachten wir zusätzlich, ob die Situation richtig wahrgenommen und eine passende Aufgabe gewählt wurde. Auf dem Golfplatz zeigt sich schließlich, was davon unter realen Bedingungen verfügbar ist.
Der Lernprozess verläuft deshalb nicht einfach von „falsch“ zu „richtig“.
Er verläuft über Verändern, Wiederholen, Variieren, Testen, Anwenden und erneutes Anpassen.

Monnard Widmer Coaching Insight
Eine technische Veränderung kann in wenigen Minuten entstehen. Ob daraus eine nutzbare Fähigkeit geworden ist, zeigt sich erst, wenn sich die Aufgabe verändert.










